Der „Skandal“-Roman: Irrlicht und Feuer

Max von der Grüns zweiter Roman, Irrlicht und Feuer, erschien 1963 im Paulus-Verlag Recklinghausen. Die durch den Roman ausgelösten Kontroversen führten dazu, dass von der Grün von der → Zechengesellschaft Klöckner-Werke AG, bei der er 13 Jahre unter Tage auf der → Zeche Königsborn II/V in Heeren-Werve als Bergmann gearbeitet hatte, fristlos entlassen wurde.

Bereits vor Erscheinen des Buches im November 1963 begannen die Streitigkeiten nach der Veröffentlichung eines Auszugs aus dem Buch in der renommierten Wochenzeitung Echo der Zeit, die im selben Verlag erschien. In dem vorab veröffentlichten Auszug beschreibt Max von der Grün die schlechten Arbeitsbedingungen im Steinkohlenbergbau anhand eines Arbeitsunfalls, bei dem ein Steiger durch die gerissene Kette einer Abbaumaschine („Panzerförderer“) enthauptet wird. Die Maschine ist aufgrund der wenigen Hersteller identifizierbar als ein Produkt der Firma Westfalia in Lünen. Westfalia ging gerichtlich gegen die Veröffentlichung des Buches vor (Grund: geschäftsschädigende Darstellung), konnte sich dort allerdings nicht durchsetzen.

Die gerichtliche Klage richtete sich gegen den Verlag und betraf Max von der Grün deswegen nur indirekt. Viel direkter traf ihn die ablehnende bis feindselige Haltung derer, auf die er als Unterstützer gesetzt hatte: seine Arbeitskollegen, der Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Bergbau und Energie. Letztere verweigerte ihre Unterstützung und bezeichnete sein Buch als „Machwerk“, das „vernichtet“ werden müsse. Die Zeche selbst setzte Max von der Grün massiv unter Druck (wie Max von der Grün in einem → Brief an Fritz Hüser schrieb) und fand einen Grund, von der Grün fristlos zu entlassen.

Eine dritte (Teil-)Veröffentlichung erfuhr der Roman ab Januar 1964 in der Boulevard-Zeitschrift Neue Illustrierte, in der eine auf etwa die Hälfte gekürzte Fassung des Romans abgedruckt wurde, allerdings ohne die oben beschriebene Unfallszene.

1966 wurde Irrlicht und Feuer mit Günter Simon in der Hauptrolle verfilmt – vom Deutschen Fernsehfunk der DDR! Der Film wurde schnell zum Politikum, denn er werde, so die Annahme in der Bundesrepublik, vor allem als Propagandamittel eingesetzt, weil darin die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen im „Westen“ dargestellt wurden – verfasst von einem westdeutschen Arbeiter. Erst zwei Jahre später, am 17. und 18. Juni 1968, lief der fast vier Stunden lange Film in der ARD, mit einer vorangestellten Kommentierung.