Aus Franken ins Ruhrgebiet

„Aufgewachsen bin ich arm“, erzählt Max von der Grün in den Göttinger Sudelblättern 19. Eine Jugend in Franken. Die Eltern, die in der Porzellanindustrie arbeiteten, erlaubten ihrem Sohn das Lesen, was in den Arbeiterfamilien der Zeit eher selten war. Abenteuerhefte und Karl May, aber auch Jean Paul – damals nicht als Dichter, sondern als disziplinierter Wanderer wahrgenommen – begeisterten ihn und seine Freunde fürs Fährtenlesen und begründeten seine Verbundenheit mit der Oberpfalz, die immer auch Heimat blieb. → Mitterteich und die Wohnorte seiner Eltern besuchte er bis zum Tod der Mutter regelmäßig. Seine Tagebuchnotizen trug er sogar noch 1961 und 1962 in die → Heimatkalender für Fichtelgebirge und Frankenwald ein.

Nach der Schule ging Max von der Grün in eine → kaufmännische Lehre, wurde Angestellter und kehrte → 1948 aus der Kriegsgefangenschaft nach Deutschland zurück – mit einem Autoradio!

Der → 120. Feierabend am Rothbühl 1968 führte vier Autoren der Dortmunder Gruppe 61 nach Selb. Als Leiter des Kulturbeirates (1967–1985) der Rosenthal AG brachte Eugen Gomringer literarisch Industriearbeiter und Angestellte, Stadt und Land zusammen. Günter Wallraff, als investigativer Journalist bereits berühmt geworden mit seinen Industriereportagen, und Wolfgang Körner (1937–2019), der die Welt der Angestellten in Romanen, Satiren und Hörspielen darstellte, kamen aus dem industriellen Ballungsraum Nordrhein-Westfalens. Ernst F. Wiedemann stammte aus Füssen und hat sich in seinem schmalen Werk ebenfalls mit der Angestelltenwelt befasst. Max von der Grün war zwar längst im Revier als Person wie als Autor angekommen. In seinem gerade erschienenen Roman Zwei Briefe an Pospischiel (1986) ließ er den Protagonisten aus dem Revier auf Spurensuche nach nationalsozialistischen Verstrickungen in seine ländliche Heimat Franken zurückkehren.

„Nirgendwo schmeckt das Bier besser“, so und in vielen Varianten, überschrieb Max von der Grün die → „Liebeserklärung an eine Landschaft, die ich nicht liebe“, mit der er die ganze Ambivalenz seiner Zuneigung zum Ausdruck bringt: „Man muss hier wohnen“.

Mit Text und Bild Arbeit und Landschaft zu verbinden, gelang ihm in Fotobänden und Reisebildern. → Das Revier (1988) und die → Maloche (1982) sind als zwei Beispiele zu sehen.