Biografie

Max von der Grün wurde am 25. Mai 1926 in Bayreuth als Sohn eines Schuhmachers geboren. Er wuchs in Mitterteich (Oberpfalz) auf, wo er die Volks-, Mittel- und Handelsschule besuchte. Das Gymnasium musste er verlassen, weil sein Vater als Zeuge Jehovas und Antifaschist verfolgt und ins Konzentrationslager verschleppt wurde.

1941 begann er eine kaufmännische Lehre in Porzellanbetrieben in Selb und Marktredwitz. 1943 wurde er zur Wehrmacht einberufen und erhielt eine Fallschirmjägerausbildung in Gardelegen bei Magdeburg. Beim anschließenden Einsatz in der Bretagne geriet er 1944 in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft: Bis 1946 war er in einem Auffanglager in Schottland untergebracht, denen drei Jahre in den USA folgten (Louisiana, Texas, New Mexico). Dort arbeitete er als Holzfäller, Baumwollpflücker, Zuckerrohrschläger und Bergmann in einer Kupfermine.

1948 kam er zurück nach Deutschland und arbeitete zunächst im Büro eines Baugeschäfts in Marktredwitz, dann als Hilfsarbeiter im Baugewerbe. 1951 zog Max von der Grün ins Ruhrgebiet und arbeitete als Schlepper, nach einem schweren Grubenunfall 1955 als Grubenlokführer, auf der Zeche Königsborn in Heeren-Werve.

Er begann sich mit dem Schreiben zu beschäftigen und verfasste Ende der 1950er Jahre seinen ersten Roman, das Gruben-Kammerstück „Männer in zweifacher Nacht“, das 1962 vom Paulus-Verlag veröffentlicht wurde. Sein zweiter, 1963 veröffentlichter, Roman „Irrlicht und Feuer“ löste eine Reihe von Kontroversen aus, die letztendlich dazu führten, dass Max von der Grün hauptberuflich Schriftsteller und Autor wurde: Er hatte die Arbeitsbedingungen im Bergbau angeprangert und war dadurch gleichzeitig in Konflikt mit der Bergbaugesellschaft (Klöckner), dem Hersteller einer Abbaumaschine (Kohlenhobel der Firma Westfalia), der Gewerkschaft (IG Bergbau und Energie) geraten.

Da er über den Konflikt mit Arbeitgebern und Gewerkschaften hinaus auch die teils opportunistische Haltung der Arbeiter anprangerte, machte er sich auch Belegschaften zu Gegnern. Sein Beschäftigungsverhältnis endete mit der fristlosen Kündigung durch die Zeche am 3. Dezember 1963.

Die zum Teil öffentlich ausgetragenen Konflikte um „Irrlicht und Feuer“ verschafften Max von der Grün einerseits eine große Aufmerksamkeit, andererseits war er damit von einem Tag auf den anderen Tag seiner wirtschaftlichen Existenzgrundlage beraubt. In der Folge veröffentlichte er Kurzgeschichten, Essays, journalistische Texte und verfasste Beiträge für die öffentlichen Rundfunkanstalten; sein dritter Roman „Zwei Briefe an Pospischiel“ erschien erst 1968, fünf Jahre nach „Irrlicht und Feuer“.

Seit Mitte der 1960er Jahre unternahm Max von der Grün zahlreiche Lesereisen, viele davon mit Unterstützung des Goethe Instituts ins Ausland: Europa, Sowjetunion, Ägypten, Iran, Afghanistan, Pakistan, Israel. Es entstanden intensive internationale Kooperationen, u.a. mit der Kammer für Arbeiter und Angestellte in Linz (Österreich) und dem Oberlin College in Ohio.

Die 1970er und 1980er Jahre waren die produktivste Zeit seines Schaffens: Max von der Grün veröffentlichte in dieser Zeit sieben Romane, mehrere seiner Arbeiten wurden, zum Teil mit seiner Mitwirkung, für das Fernsehen verfilmt, als Bühnenstücke aufgeführt und im Radio gesendet.

Während die ersten beiden Romane noch stark vom Steinkohlenbergbau geprägt sind, wurde die Themenpalette nun zunehmend breiter: alter und neuer Rechtsextremismus (Zwei Briefe an Pospischiel, Flächenbrand), die Veränderungen der Arbeitswelt (Der Mann am Schaltpult, Stellenweise Glatteis, Die Lawine), die Situation von Menschen mit Behinderungen (Vorstadtkrokodile), zwischenmenschliche Beziehungen (Späte Liebe, Friedrich und Friederike).

Max von der Grün erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem das Goldene Lorbeerblatt des Deutschen Fernsehfunks (DDR) für die Verfilmung von „Irrlicht und Feuer“ (1966), den Großen Kulturpreis der Stadt Nürnberg (1973), den Wilhelmine-Lübke-Preis des Kuratoriums Deutsche Altershilfe für das Fernsehspiel „Späte Liebe“ (1979), den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis (1981), die Reinoldus-Plakette der Stadt Dortmund (1982), den Gerrit-Engelke-Literatur-Preis (1985), den Reinoldus-Ehrenring der Stadt Dortmund (1987), den Literaturpreis Ruhrgebiet (1988), den Kogge-Literaturpreis der Stadt Minden (1998) und den Verdienstorden des Landes NRW (1991).

Max von der Grün starb am 7. April 2005 in Dortmund.