Vom Lesen zum Schreiben

Wie kommt ein Arbeiter zum Schreiben? Durchs Lesen!

Max von der Grün las in seiner Jugend, wie viele Gleichaltrige, Abenteuergeschichten:→ Karl MayFred Fabers Abenteuer und was sonst verfügbar war. Ein Schlüsselerlebnis war 1939 das Geschenk eines seiner Lehrer: Sternstunden der Menschheit des verbotenen Stefan Zweig. In dem Buch mit seinen fünf „Miniaturen“ (Insel-Ausgabe von 1927) beschrieb Stefan Zweig weltbewegende Ereignisse, die bei allem Erfolg immer auch mit Zweifel und Scheitern verbunden sind. Für den 13-jährigen Max von der Grün bietet das Buch eine neue Sicht auf die Welt, in der er scheinbar überwiegend von „arischen Helden“ umgeben war – und: Es öffnete ihm den Blick für die „Literatur“. Später las er alles von Zweig, der sein erklärter Lieblingsschriftsteller wurde.

In amerikanischer Kriegsgefangenschaft erwischte er bei der Ausgabe von Büchern ausgerechnet  Ulysses von James Joyce – natürlich in Englisch. Der englischen Sprache nur bedingt mächtig, kämpfte sich Max von der Grün zwei Jahre durch die knapp 800 Seiten. Auch wenn es wahrscheinlich mehr eine „Ahnung“ von Literatur war, die der selbst in der übersetzten Fassung schwer lesbare Ulysses bei ihm auslöste, sagte er später: „… so begann meine Freundschaft zur Literatur.“

Zurück in Deutschland erweiterte er sein Lesespektrum: Neben den Werken von Stefan Zweig und Ulysses – dieses Mal in Deutsch – faszinierte ihn Jean Paul (der wie von der Grün eine Bayreuther Vergangenheit hatte). Hinzu kamen → Oskar Maria GrafHeinrich MannHonore de BalzacKurt Tucholsky, später Bertolt Brecht und → Heinrich Böll.